|
Der Kauf eines älteren
Hundes anstelle eines Welpen wird manchmal unglücklicherweise aus einer
völlig falschen Perspektive betrachtet.
Vorurteile über alte Hunden, die dem Züchter ein Klotz am Bein sind spielen
dabei genauso eine Rolle, wie die Meinung, man wolle seinen Hund von Anfang
an „selbst formen“, welche Kenntnisse hierzu auch immer vorhanden sein mögen.
Es gibt aber durchaus Fälle, in denen sich der Verzicht auf einen Welpenkauf
zugunsten eines älteren oder gar alten Hundes empfiehlt.
“Ältere Hunde“, hier meist Hündinnen, die aus dem aktiven Zuchtgeschehen
ausscheiden (nach der Zuchtordnung des KfT also mit vollendetem 8.
Lebensjahr), werden nicht automatisch von ihrem Züchter „ausgestoßen“ - im
Gegenteil, Sie werden bei Eintritt ins „Rentenalter“ liebevoll im Rudel
umsorgt und umhegt.
Es kann aber durchaus
vorkommen, dass eine jüngere Hündin, die ja für den Züchter die Fortsetzung
seiner Zuchtlinien sichert, dieser alten Hündin den Platz in der Rangordnung
streitig macht. So entsteht ein ständiger Stressfaktor für beide Hunde und
auch für den Rest des vorhandenen Rudels, unter dem der ältere Hund am
meisten zu leiden hat. Einen Solchen Hund in die Hände vielleicht eines
älteren Ehepaares zu geben, bedeutet für das Tier einen geruhsamen
Lebensabend als strahlender Mittelpunkt eines ruhigen kleinen „Rudels“.
Zugleich bedeutet ein solcher älterer Hund für ältere Menschen oft die
einzig vertretbare Möglichkeit zur Haltung eines Hundes, da ein Welpe oder
ein Junger Hund mit immensem Bewegungsbedarf sicherlich ungeeignet für einen
Halter ist, der vielleicht nicht noch 10-15 Jahre bei bester Gesundheit
erwartet.
Auch im Falle einer Familie mit heranwachsenden Kindern und vielleicht sogar
noch einer Teilzeitbeschäftigung der Mutter kann es für Menschen und Hund
angebrachter erscheinen, statt eines Welpen einen fast oder schon
erwachsenen Hund anzuschaffen. Es gibt Situationen, in denen ein Züchter
einen Hund länger bei sich behält, in der Hoffnung hier einen späteren
Zuchthund heranzuziehen. Die damit verbundenen Hürden der Zuchtkriterien
können jedoch dazu führen, dass ein solcher Hund sich nach dem Umzahnen mit
6-8 Monaten oder sogar erst später, vielleicht sogar erst nach einem Wurf,
als doch nicht geeignet für eine solche Karriere erweist. Ein solcher Hund
ist mit Sicherheit sehr gut geprägt und meist sogar ein überdurchschnittlich
schönes Exemplar seiner Rasse. Sein bis dahin meist voll ausgebildeter
Charakter macht ihn für die zukünftigen Besitzer noch dazu sehr berechenbar
und Probleme mit Stubenreinheit oder beim Alleinlassen treten meist gar
nicht erst auf.
Sollten Sie sich also für einen Westie interessieren, lassen Sie sich bitte
ausgiebig beraten, ob Sie einem Welpen wirklich die ihm zustehende „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“
über den notwendigen Zeitraum bieten können. Wenn nicht, finden Sie auf
dieser Seite vielleicht die beste Alternative zur Erfüllung ihres Wunsches
nach einem Hund.
Mike Kramer
(Fachbereiche Vereinsentwicklung & Öffentlichkeitsarbeit) |